Rhône-Poulenc SA war nicht nur eine weitere französische Fabrik. Es war ein Schwergewicht in den Bereichen organische Chemikalien, synthetische Fasern und Pharmazeutika. Im Jahr 1999 verschwand es dann durch eine Fusion mit der deutschen Hoechst Aktiengesellschaft. Das Ergebnis war Aventis, ein deutsch-französischer Pharmariese.
Doch die Geschichte von Rhône-Poulenc begann nicht in den Pharmalabors. Es begann mit Farbstoffen.
Wurzeln in Farbstoff- und Chemiefabriken
Die Abstammung reicht bis ins Jahr 1801 zurück. Damals hieß es Maison Debai-Extraits Tintoriaux. Bis 1895 wurde es in Société Chimique des Usines du Rhône umstrukturiert. Das heißt übersetzt „Chemische Fabriken der Rhône“.
Jahrzehntelang war es rein industriell. Dann kam das Jahr 1928.
In diesem Jahr fusionierte der Chemieriese mit den Établissements Poulenc Frères. Dies war kein kleiner Buyout. Poulenc Brothers war das von Camille Poulenc gegründete Pharmaunternehmen. Er lebte von 1864 bis 1942. Er gilt als Begründer der französischen Pharmaindustrie. Er arbeitete auch mit Pierre und Marie Curie zusammen.
Durch den Zusammenschluss entstand die Société des Usines Chimiques Rhône-Poulenc. Allein der Name signalisierte einen Wandel. Das neue Unternehmen behielt nicht nur die Chemiefabriken. Es wurden sofort Tochtergesellschaften gegründet. Diese Tochtergesellschaften entwickelten pharmazeutische Spezialitäten. Sie entwickelten auch neue Techniken zur Herstellung synthetischer Textilien.
Verstaatlichung und Glasfaserdominanz
Frankreich trat 1957 der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft bei. Rhône-Poulenc handelte schnell. Es trug zur Neuorganisation der französischen Chemieindustrie bei.
1961 wurde Celtex übernommen. Celtex war ein bedeutender Hersteller synthetischer Fasern. Diese Akquisition machte Rhône-Poulenc zu einem führenden Unternehmen in diesem Bereich in Frankreich.
Die 1980er Jahre brachten politische Turbulenzen. Die französische Regierung verstaatlichte das Unternehmen 1982. 1993 überführte sie es wieder in Privatbesitz.
Auch wenn die staatliche Kontrolle stark ausgeprägt war, blieb die öffentliche Wahrnehmung spezifisch. Einen größeren Produktionsanteil hatten synthetische Fasern. Dennoch identifizierte die französische Öffentlichkeit Rhône-Poulenc immer noch mit seinen Arzneimittelprodukten. Dieser Markenwert war wichtig.
Globale Expansion und die Übernahme von Fisons
Das Unternehmen begnügte sich jedoch nicht nur mit Fasern und Medikamenten. Es wurde aggressiv diversifiziert.
Es gelangte in Kunststoffe. Feine Spezialchemikalien. Folien für Verpackungen. Elektromagnetische Bänder. Kommunikationssysteme. Kopiersysteme. Textilien. Klebstoffe. Farben. Lacke. Agrarchemikalien.
Der Großteil des Umsatzes des Unternehmens wurde in Frankreich erzielt, aber es erschloss auch anderswo wichtige Märkte.
Diese Märkte waren nicht nur Nachbarn. Rhône-Poulenc errichtete Festungen auf dem amerikanischen Kontinent. Afrika. Australien. Der Nahe Osten. Der Ferne Osten. Diese Regionen würden später einen großen Beitrag zur globalen Reichweite von Aventis leisten.
Das Pharmawachstum beschleunigte sich Mitte der 90er Jahre. Im Jahr 1995 unternahm eine Haupttochtergesellschaft, Rhône-Poulenc Rorer, Inc., einen strategischen Schritt. Es erwarb Fisons. Fisons war ein großer britischer Arzneimittelhersteller.
Bei dieser Akquisition ging es nicht nur darum, den Umsatz zu steigern. Es ging darum, die Position vor der unausweichlichen Fusion zu festigen. Die Bühne war für das Jahr 1999 bereitet
















